Once upon a tide

Salzige Meeresluft, endlos weiter, weißer Sandstrand, ab und zu ein vereinzelter Jogger oder ein Hund mit seinem Herrchen, tosende Wellen, die schäumend an den Strand brausen und das Surferherz höher schlagen lassen… es könnte alles so schön sein.

Lediglich der Himmel verrät das Störende an der Idylle. Diesig und ebenfalls noch schlaftrunken hängt er herab. Der Optimist würde jetzt sagen, der Himmel verkündet bereits einen neuen, strahlenden Sommertag. Mein Optimist und ich hingegen befinden uns um kurz nach 6 Uhr morgens in einer tiefgreifenden Beziehungskrise. Kein optimistischer Gedanke weit und breit. Stattdessen schleppe ich mich grummelnd den Strand entlang und versuche, nicht in den gefühlten treibsandartigen Fängen des ah so weißen Pulversandes zu versinken – mit meinen 13 kg extra Gewicht, die – jetzt- wohlgelaunt und brabbelnd vor meinen Bauch geschnallt sind und unternehmenslustig mit den Wurstelbeinchen strampeln.

Schlafen wie ein Baby – ich weiß nicht, wer dieses Märchen in die Welt gesetzt hat. Weder Baby Nummer 1 noch aktuelles Baby Nummer 2 halten irgendetwas von Schlafen. Ich hingegen habe das 1-2 stündige Intervallschlafen – nachdem Valerie irgendwann ab ca. dem ersten Lebensjahr etwas besser schlief (von Durchschlafen ist hier keine Rede) – erfolgreich verdrängt und kann mich jetzt bei Jasper, auch nach 9 monatiger Wiedereingewöhnung weiterhin nicht daran gewöhnen. Ebenfalls nicht an die Tatsache, dass die Nacht spätestens um 6.00 Uhr vorbei ist.

Schlimmer sind dann nur noch die Nächte bei Wachstumsschüben und die ersten Nächte in einer neuen Umgebung. 3 Wochen Wachstumsschübe gepaart mit einer neuer Umgebung hatten wir bereits über die Weihnachtsfeiertage bei den Großeltern. Kaum war diese Erfahrung nach 2 „normalen“ Nächten wieder völlig verdrängt, dann also die erste Nacht in der neuen südafrikanischen Umgebung.

Immer wieder erstaunlich – und für jeden Musikbegeisternden sicherlich faszinierend, wenn es nicht gleichzeitig so ohrenbetäubend schrill wäre – mit welcher Wucht das Schreien einsetzt und welche tonalen Pirouetten gedreht werden, die sich von einem Klimax zum nächsten hangeln, dabei an Dynamik und Lautstärke gewinnen, so dass eigentlich gar keine Luft für weitere Höhenflüge verbleibt, stattdessen aber eine neue Lautstärkenfacette zum Vorschein kommt, so dass selbst bei den gelassensten Personen das Blut in Wallungen gerät. Die einzige Gewissheit und Beruhigung ist, dass es tatsächlich irgendwann, und meistens genauso plötzlich wie es eingesetzt hat, vorbei ist und das Geschehnis als solches auch sehr schnell verdrängt ist – manchmal so schnell, dass ich nach einem – dann immerhin nicht von weiteren Schreiattacken unterbrochenem – „normalen“ Intervallschlaf nicht mehr sicher bin, ob die Schrei-Arien tatsächlich stattgefunden haben und ob ich wirklich so verzweifelt war, dass ich am liebsten miteingestimmt hätte.

Mein 13 kg Päckchen hängt mittlerweile selig an mir gekuschelt und schläft seelenruhig. Einfach märchenhaft diese Ruhe, eingebettet in das Rausche des Meeres. So stampfe ich nicht mehr ganz so grummelnd den mittlerweile festen und asphaltierten Untergrund entlang. Vorbei an schönen, gläsernen Einfamilienhäusern. Und entdecke eins mit einer passenden Aufschrift: Once upon a tide.

Poing Poing

„Nicht Poing Poing, Mama. Pun gu i NE, so geht das!“

Seit Valerie bei ihrer Tagesmutter ein Pinguin-Lied (Dadi Dadi) gelernt hat, erschallte dieses regelmäßig zu Hause und Valerie watschelte wie ein „Poing Poing“ – wie die Tiere damals bei ihr hießen. Auch wenn für sie die „Poing Poing“-Zeit vorbei ist, für uns hießen die Tiere fortan so.

Und heute konnten wir ganz viele Poing Poings von nahem erleben. In Simon’s Town – unweit unserer Unterkunft in Kommetjie – befindet sich eine Pinguin-Kolonie im Naturschutzgebiet Boulder Beach. An einem kleinen Strandabschnitt kann man mit Pinguinen im Meer schwimmen, sie beim Strand-Watscheln beobachten oder mit ihnen um die Wette von einem Felsen auf den nächsten springen.

So hat dann auch jeder von uns schnell eine neue Lieblingsbeschäftigung gefunden. Von den süßen, zutraulichen Meisterschwimmern war Valerie am Ende nicht so begeistert, wie vom großen „Schwimmbad“. Ganz fasziniert lief sie immer wieder ins kalte Naß und beobachtet den Gang der Wellen. Jasper wiederum hat den Sand für sich entdeckt. Wunderschöner, pulvrig-feiner, weißer, warmer Sand. Der zwischen den Fingern rieselt – und anscheinend ganz vorzüglich schmeckt. Das zumindest findet unser kleiner Gourmet, der zum Entzücken weiterer Strandtouristen aus dem Mampfen nicht mehr rauskommt und im Nu ein weiß gepudertes, fröhlich strahlendes Gesicht hat.

Marcel wiederum lässt den Fels-Pinguin-Wettbewerb nicht auf sich sitzen. Zunächst geht es durch einen schmalen Spalt zwischen zwei Felsen hindurch und anschließend über weitere Felsen am Strand bis hin zum Felsenplateau, wo sich unzählige Pinguine tummeln.

Und während andere Pinguin-Fels-Bezwinger mit aufgeschürften, blutigen Knien zurückkehren, sitze ich auf dem warmen Postkarten-Sand, höre dem Rauschen des Meeres zu, genieße die warmen Sonnenstrahlen – im Gegensatz zum kalten, deutschen Winterwetter -, höre dem Kreischen der Vögel zu, das sich mit dem Glucksen von Jasper und Valeries schallendem Freudenslachen vermischt und summe leise Dadi Dadi.

Vier Windelbummler auf großer Reise

„Unsere Wohnung ist im Lager. Wir fahren jetzt nach Afrika.“

Genau!

So beginnt unser neues Abenteuer zu viert – 3 Monate Südafrika.

Viel Zeit, uns vorzubereiten oder die genaue Route zu planen, hatten wir im normalen Alltagswahnsinn mit 2 Kids, 2 Jobs, Wohnungseinlagerung (sie passt in genau einen Container), Jobwechsel, Weihnachts- und Geburtstagsfeiern nicht. Entsprechend beschlich uns am Tag des Abflugs das ungute Gefühl, doch etwas vergessen zu haben. Die internationalen Geburtsurkunden sowie Kreditkarten und Pässe hatten wir dabei – kurzfristig konnten wir zum Glück noch rechtzeitig für Valerie einen neuen Reisepass ausstellen lassen, da ihr Babyfoto-Reisepass dem von Jasper zum Verwechseln ähnlich sah. Neben diesen essentiellen Dingen hatten wir letztlich doch noch so viel dabei, dass es einem weiteren Umzug glich.

3 Koffer mit jeweils 20kg zum Einchecken, 2 Kraxen, 3 Handgepäckstücke – davon 1 Tiger-Rollkoffer von Valerie, auf dem sie zum Entzücken anderer Fluggäste wie auf einem Pferd ritt, natürlich mit den entsprechenden wiehernden Geräuschen. Am besten waren wir ausgestattet für alle Fälle von Safaris – Unterwassersafaris, Überwasser-Safaris mit großen oder kleinen Tieren oder sogar für Erlebnisse aus der Luft. Für alles hatte Marcel die passende Kamera mit dem spezifisch geeignetem Objektiv, wasserfestem Gehäuse, lichtbedingten Filtern und natürlich seine neueste Errungenschaft – eine Drohne.

Vollbepackt kann unser Abenteuer nun beginnen – Kapstadt wir kommen!

Reisen mit Baby – Der Türöffner für die Welt

Reisen war schon lange unsere Leidenschaft und für uns stand immer fest, das wird sich nicht ändern, auch wenn wir Nachwuchs bekämen. Und mit der Geburt unseres Sonnenscheins im Dezember 2015 wurden aus uns Weltbummlern die Windelbummler.

Im Kleinen und Großen möchten wir Valerie die Welt zeigen. Sowohl die flimmernde und stets pulsierende Großstadt als auch das kleine Dorf mit seiner tiefen Naturverbundenheit und wohltuenden Bodenständigkeit. Das bunte Meer, die lebendige Wüste, weißen Schnee und blaue Gletscher – die ganze Welt möchten wir Valerie ermöglichen.

Nach einigen kleineren Ausflügen innerhalb von Europa ging es im September 2016 endlich auf unsere erste ganz große Reise: Vier Monate waren wir in Ozeanien unterwegs und haben Wale in Tonga gesehen, wurden in die Maori-Kultur in Neuseeland aufgenommen und haben die Metropole Sydney erlebt. Valerie war zu dem Zeitpunkt gerade einmal 8 Monate alt und natürlich hatten wir auch unsere Bedenken: Wie wird sie mit dem langen Flug zurechtkommen? Mit dem Jetlag? Was machen wir, wenn sie krank wird? Wenn sie von einem Tier gebissen wird? Haben wir uns das alles gut überlegt? Von den Kosten ganz zu schweigen. Warum wollen wir überhaupt mit einem so kleinen menschlichen Wesen, das völlig von uns abhängig ist, auf die andere Seite der Erde reisen?

Zum Glück haben wir uns von diesem Fragenmarathon, der manchmal wie ein Fragenmantra auf uns niederrasselte, nie unterkriegen oder ablenken lassen. Genau wie auf allen unseren anderen Reisen – und sei es zu solch ungewöhnlichen Orten wie Syrien (zu einer Zeit, als nicht jeder sofort wusste, wo genau das Land liegt), wussten wir, dass es gut werden wird. Und so war es auch diesmal.

Natürlich hatten wir auch eine Menge Glück. Valerie ist die geborene Windelbummlerin ohne Flugangst, Scheu vor Neuem oder Unbekannten. Sie ist auch nie krank geworden, von harmlosen Erkältungen abgesehen. Stattdessen war es ein sehr entspanntes und langsames Reisen, mit vielen Pausen und langen Aufenthalten an einem festen Ort. Auch wenn wir früher schon Couchsurfing und AirBnB genutzt haben, um möglichst lokale Menschen kennenzulernen, aus ihrer Sicht die Region zu erleben und an ihren Sitten teilzuhaben, war es jetzt mit Valerie anders. Es war, als hätten wir erst jetzt den richtigen Türöffner für unsere Welt gefunden. Mit ihrem gewinnbringenden Lachen und ihrer offenen Art, auf alle und alles ungezwungen zuzugehen, frei von Vorurteilen, Gefahrbildern oder Restriktionen, hat Valerie uns die Welt gezeigt. Selbst die kleinste Muschel am Strand war für sie ein jauchzendes Hocherlebnis und jede Interaktion – mit Mensch oder Tier – eine wahre Wonne. Vielleicht liegt es an Ozeanien, vielleicht sind die Menschen dort herzlicher – aber es ist einfach unbeschreiblich welche Warmherzlichkeit und Gastfreundlichkeit wir jeden Tag erfahren durften.

Für uns steht fest: Reisen mit Baby ist unfassbar schön und ermöglicht eine ganz andere Intensität.

Ein ganzes halbes Babyleben – Das Ende einer Elternzeit


In Tagen gemessen ist es schon sehr lange her, dass unser letzter Blog-Beitrag veröffentlicht wurde. Ziemlich genau 65 Tage, also über zwei Monate. Und fast so lange ist auch unsere Auslandsabenteuerreise her.

Und trotzdem fühlt es sich weiterhin irreal an, wieder in Deutschland zu sein. Zurück zu sein obwohl wir doch eigentlich irgendwie immer noch weg sind. 

Nach wundervollen drei Monaten im Naturparadies Neuseeland war es schon ein Schock, in Sydney anzukommen. Allein die Stadt Sydney hat fast so viele Einwohner wie beide neuseeländischen Inseln zusammen (etwas über 4 Millionen). Wenn man dann auch noch bedenkt, dass in Neuseeland der Großteil der Einwohner (rund 3 Millionen) auf der Nordinsel leben, kann man vielleicht besser nachvollziehen, wie unendlich weit und menschenleer wir die Südinsel erlebt haben. Nach der stillen Südinsel also die etwas lebhaftere Nordinsel bis hin zur völlig quirligen Stadt Sydney. Tatsächlich haben wir ein paar Tage in unserer Airbnb-Unterkunft gebraucht, um in die große Innenstadt von Sydney reinzufahren. Der tägliche Sonnenschein und die exotischen Papageiengeräusche von unserem Balkon haben definitiv dazu beigetragen, dass wir uns trotz Großstadt langsam wohl gefühlt haben. Und natürlich haben wir auch schnell die große Auswahl an kulinarischen und kulturellen Besonderheiten wieder zu schätzen gelernt. Wahrzeichen und Highlight ist hierbei sicherlich die Oper von Sydney. Direkt am Wasser gelegen glitzert ihr weißer Anstrich im Sonnenschein und bietet tolle Fotomotive. Und auch von drinnen ist sie beeindruckend und verfügt über eine tolle Akustik.


Vielleicht weil die Zeit in Sydney letztlich so kurz war, vielleicht weil wir in Neuseeland eine andere Freiheit des Reisens erlebt haben, viel schneller und tiefgründiger mit den Menschen dort in Kontakt gekommen sind, die weite, unberührte Natur uns derart intensiv in ihren Bann gezogen hat und wir schließlich sogar Teil der ursprünglichen Maori-Kultur wurden – vielleicht liegt es also daran, dass ein Stück unseres Herzens in Neuseeland geblieben ist und sich unser Geist nicht so ganz auf Deutschland und Berlin einstellen möchte, obwohl unser Körper schon so lange wieder zurück ist.

Ein ganzes halbes Babyleben haben wir in unserem Minikosmos zu dritt leben dürfen. Ein Geschenk, für das wir sehr dankbar sind. Gemeinsam haben wir die ersten Bewegungsversuche von Valerie erleben dürfen, die mit vorsichtigen Drehungen begonnen haben, zu einem Krabbeln wurden, das – immer sicherer – sogar Stufen in Tonga überwand, sich zu den ersten aufrechten Stehversuchen am Strand von Cable Bay in Neuseeland entwickelt haben, den ersten Schritten allein in Sydney und schließlich in einem aufrecht laufendem Wirbelwind gipfelten – kaum zurück in Deutschland. 


Natürlich endet unsere Elternzeit nicht hier und natürlich enden auch unsere Abenteuer nicht – aber dennoch winkt uns, zwar melancholisch aber voller Fröhlichkeit, inniger Freude und tiefer Dankbarkeit unsere Elternreisezeit zu, von der ein Teil aus Tonga winkt, ein anderer aus Sydney und ein ganz großer mit dem breitestem Lächeln aus Neuseeland.
Danke, dass auch ihr dabei ward, mitgereist seid, mitgefiebert habt und Valeries Welt mit uns gemeinsam entdeckt habt – egal von wo ihr unsere Berichte lest.
Und ihr könnt gespannt bleiben, denn die Abenteuer der Windelbummler fangen gerade erst an.

Sommer, Sonne, Sonnenschein – Teil 2

Du reist immer mit, egal wo ich bin – und so wird es immer sein und so wird es immer bleiben. Für immer Danke.


Auf Strandurlaub folgte noch mehr Strandurlaub. Wahrscheinlich ist der schönste Strand, den wir sahen, derjenige auf der Halbinsel Karikari – unweit von Cable Bay, wo wir eine weitere Woche verbrachten.

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Die Zeit in Cable Bay war magisch – anders kann ich es gar nicht beschreiben. Wir hatten das beste Wetter, eine grandiose Airbnb-Unterkunft und die wohl unglaublichsten Airbnb-Gastgeber überhaupt. Obwohl wir nur eine Woche da waren, fühlt es sich so an, als würden wir Teresa, Peter und Taylah schon eine Ewigkeit kennen und gleichzeitig kommt es uns so vor, als wären wir nur einen kurzen Wimpernschlag da gewesen. Es war eine ganz unglaubliche Zeit, die wir dort hatten. Und dies liegt bestimmt auch daran, dass wir in ihren Maori-Stamm aufgenommen wurden (s. Blogbeitrag „Maori-Kultur mal anders“). Unglaublich war die Zeit in Cable Bay auch deswegen, weil wir mit Peters Truck zum Cape Reinga und zur Ninety Mile Beach fahren durften. Endlich fuhren wir also das Auto, das wir uns für Neuseeland gewünscht hatten! Und nicht nur das, wir fuhren das Werbeauto für den „Ninety Mile Beach Run“, der von Peter ins Leben gerufen wurde und jährlich zahlreiche Laufwillige in den Norden Neuseelands lockt. Nicht selten wurden wir während unserer Fahrt mit dem Truck auf eben dieses Rennen angesprochen.

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Der nördlichste Zipfel der Nordinsel, an dem die Tasmansee den Pazifik trifft, heißt Cape Reinga. Im Maori-Glauben pilgern die Seelen der Toten den langen Weg entlang der Ninety Mile Beach und verlassen hier Neuseeland, um in ihre alte Heimat in der Südsee zurückzukehren.

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Heutzutage ist das Touristenhighlight weniger das hübsche Kap mit seinem einsamen Leuchtturm, sondern vielmehr die hohen Sanddünen unweit des Kaps in Te Paki. Auf einmal steht man in einer Sandwüste und ist umgeben von meterhohen Dünen – und wagemutigen Surfern. Mit einem Sandboard unter dem Bauch – die Dünen sind zu steil, um das Board unter die Füße zu legen – flitzen sie die Dünen herunter. Und auch wir wagen es. Abwechselnd natürlich, denn Valerie muss unten bleiben. Jeder, der schon einmal versucht hat, eine Sanddüne hoch zu gehen, weiß wie anstrengend es ist. Kaum hat man drei Schritte erklommen, rutscht man gleich darauf wieder zwei Schritte ab. Irgendwann hat es aber jeder von uns geschafft – mal schneller mal langsamer – oben anzukommen. Die Sandwand vor sich, muss man dann nur noch das Board hinlegen und sich bäuchlings hinabstürzen. In Sekundenschnelle ist man wieder unten. Mir persönlich hat ein Sandritt gereicht. Andere waren da deutlich ausdauernder und haben den steilen Aufstieg immer wieder bestritten.

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Das eigentliche Highlight war für uns aber die anschließende Fahrt auf dem Ninety Mile Beach. Durch ein Flussbett gelangt man an den schier endlosen Ninety Mile Beach – der in Wahrheit nicht ganze neunzig Meilen lang ist aber nichtsdestotrotz unglaublich lang und vor allem fast menschenleer. Mit unserem Grey hätten wir den Ausflug nicht machen können und so freute sich unser Rennfahrer über diese einzigartige Möglichkeit, durch ein Flussbett zu pesen, Wasser und Sand aufzuwirbeln und den Ninety Mile Beach entlang zu rasen.

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Die letzten Tage im Norden verbrachten wir in Waima, in der Nähe des Waipoua Waldes. In diesem Schutzgebiet wachsen drei Viertel der erhalten gebliebenen Kauribäume. Diese mächtigen Bäume mit einem Stammdurchmesser von bis zu vier Metern und 30 bis 50 Meter Wuchshöhe sind die letzten ihrer Art. Mit der Besiedlung Neuseelands durch die Briten wurden diese Bäume, die damals einen Durchmesser von bis zu acht Metern erreichten, fast bis zu ihrer völligen Ausrottung gerodet. Heute stehen sie unter Naturschutz. Aufgrund ihrer empfindlichen, an der Bodenoberfläche liegenden Wurzeln, wurden erhöhte Holzwege errichtet. Zudem befinden sich Schuh-Waschanlagen vor dem Waldzugang, um die Wurzeln vor fremden oder schädlichen Stoffen zu schützen.

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Und so neigen sich drei Monate Neuseeland langsam dem Ende zu. Aber vorher wartet noch ein letzter Strandurlaub auf uns: Die Halbinsel Coromandel.

Maori-Kultur mal anders

„Denn in den Kindern lebt unsere Seele weiter“ – Für meinen treuesten Fan

Seit wir in Neuseeland sind, habe ich immer gehofft, mit der Maori-Kultur in Berührung zu kommen. Am liebsten natürlich mit der echten Maori-Kultur und nicht mit den kommerziellen Angeboten, die in so vielen Orten angepriesen werden – inkl. Maori-Tanz in traditioneller Tracht und Teilnahme am gemeinsamen Hangi-Essen.

Wir hatten das große Glück im Norden Neuseelands gleich auf zwei ganz unterschiedliche Weisen mit maorischer Kultur in Kontakt zu kommen.

Zum einen nahmen wir an einem Tauch-Ausflug mit maorischen Jugendlichen in Tutukaka teil. Ein Programm für Maori-Jugendliche mit bisher schwierigem Leben bietet unterschiedliche Aktivitäten an, um diesen jungen Leuten neue Perspektiven aufzuzeigen. Eine dieser Aktivitäten ist Tauchen. Und so waren wir auf dem Boot mit ca. 30 Jugendlichen und Tauchlehrern. Für einige war es ein Tauchgang zur Erweiterung bisheriger Fähigkeiten (z.B. ein Tieftauchgang bis zu 30 Metern), für andere war es der allererste Tauchgang und auch der erste Besuch in Tutukaka – denn die meisten Jugendlichen kamen aus weiter entfernten Orten. Die Stimmung war entsprechend ausgelassen und fröhlich. Alle spielten mit Valerie und fanden es ebenso spannend wie wir, uns gegenseitig kennenzulernen. Dieser Tag war unsere Möglichkeit, die neue Maori-Kultur kennen zu lernen. Diejenige, die stärker in der Gegenwart verwurzelt ist als in alten, traditionellen Lebensweisen und somit unterschieden sich die Jugendlichen in ihrer Art und Umgangsweise kaum von Jugendlichen in anderen Teilen der Welt.

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Zum anderen hatten wir aber auch das Glück, die traditionelle Maori-Kultur kennenzulernen. In Cable Bay haben wir per Airbnb-Zufall bei einer Maori-Familie gelebt, welche die Maori-Traditionen pflegt und sogar unterrichtet. Wie es dieser Zufall eben wollte, gab es gerade einen 6-Monatskurs in maorischer Heilkunde und an dem Wochenende, an dem wir ebenfalls in Cable Bay waren, fand eines dieser Seminare statt. Aktueller Schwerpunkt war – wie hätte es auch bei unserem persönlichen Unterwasser-Fotografen anders sein können – die Bedeutung des Meeres. Als wir am Nachmittag zur Gruppe dazustießen, standen die Gruppenteilnehmer bereits an einem der schönsten Strände der Halbinsel Karikari – am folgenden Tag mussten wir einfach zurückkommen und diese wunderbare Bucht genießen.

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Peter, unser Gastgeber und in seinem Maori-Stamm hoch angesehener Medizinmann, erklärte gerade, dass alle Algen in dieser Gegend essbar seien und frisch oder getrocknet als Salat zubereitet würden. Eine weitere, meterlange Alge hatte er zudem mitgebracht, die nur an der Westküste wächst. Diese wird ebenfalls getrocknet und dient anschließend dazu, in ihr Fische zuzubereiten. Dazu wir diese schlauchartige Alge aufgeschnitten, der Fisch hineingelegt und anschließend gebraten oder gegrillt. Der glibberige Wachs der Alge wird als Haarkur genutzt. Überhaupt wird in der naturnahen Maori-Kultur versucht, alles zu nutzen – eben nicht nur die Alge als solche, sondern alles, was mit der Alge zusammenhängt. Dies gilt beispielsweise auch für den Seeigel. Der Seeigel selbst wird zu einem Salat verarbeitet. In seiner Schale allerdings verbirgt sich eine Mini-Pinzette. Diese ist besonders dann hilfreich, wenn man sich beim Sammeln der Seeigel einen ihrer Stachel zugezogen hat.
Ein weiterer maorischer Medizinmann zeigte uns, wie man aus Blättern, die nach Zitrone dufteten, eine Salbe herstellen kann, die Schmerzen lindert und Falten glättet.

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Unser absolutes Highlight des Tages war eine eigens für uns durchgeführte zeremonielle Aufnahme in den Maori-Stamm. Ruija – eine maorische Frau – rief uns mit maorischen Liedern in das Marae. In Maori-Tradition schritten Valerie und ich vorne weg und Marcel – als Krieger und Beschützer – ging hinter uns. Im Haus angekommen warteten bereits weitere Maori auf uns. Abwechselnd wurde von einem Mann etwas auf Maori vorgetragen und anschließend von einer Frau auf Maori gesungen, wobei alle in den Gesang einstimmten. Als letztes wurden auch wir gebeten, etwas vorzutragen und zu singen. Marcel stellte uns und unsere Reise auf Englisch vor. Anschließend sangen wir beide das polnische Geburtstagslied „100 lat“, da Teresa, unsere Gastgeberin, nicht nur das alles für uns ermöglicht hatte, sondern es zudem ihr Geburtstag war. Der sich anschließende Austausch über unsere unterschiedlichen Kulturen und Werte war sehr bereichernd. Ähnlich wie in der polnischen Kultur, hat auch in der Maori-Kultur die Familie – verstanden als Großfamilie mit allen Familienmitgliedern egal welchen Grades – einen hohen Stellenwert. So ist es z.B. auch selbstverständlich, dass sich der Erwachsene, der gerade am nächsten zu einem krabbelndem Baby ist, um dieses kümmert. Valerie fand das großartig und hat es wahrscheinlich eher als wir geschafft, mit jedem Maori an diesem Tag in Kontakt zu kommen und zu begeistern.

Besonders berührend war für uns die Antwort auf die Frage wie in der Maori-Kultur das Leben nach dem Tod aussieht. In der Maori-Kultur lebt die Seele in den Kindern weiter. Bereits mit Geburt geht ein Teil der Seele von Mutter und Vater auf das Kind hinüber und wächst dort mit den Jahren, bis er beim Tod von Mutter und Vater vollständig im Kind weiterlebt.
Zum Abschluss der Zeremonie begrüßten wir jeden Anwesenden persönlich mit dem traditionellen Hongi (Berührung von Nase an Nase). Das Hongi ermöglicht es beiden Seelen, sich in der Atmung zu berühren. Gleichzeitig begegnen sich nicht nur die zwei Gegenwarts-Seelen, sondern auch alle Seelen der jeweiligen Vorfahren – da sie ja in den jeweiligen Kindern weiterleben. Somit bedeutet Hongi auch Wiedervereinigung mit allen Seelen – bis hin zu einer gemeinsamen Ursprungsseele.
Es war eine sehr berührende Zeremonie und wir schätzen uns sehr dankbar – nicht zuletzt aufgrund unserer Airbnb- und damit Gastgeberwahl – in die Maori-Kultur aufgenommen worden zu sein.

Kia ora! Dankeschön!