Sommer, Sonne, Sonnenschein – Teil 2

Du reist immer mit, egal wo ich bin – und so wird es immer sein und so wird es immer bleiben. Für immer Danke.


Auf Strandurlaub folgte noch mehr Strandurlaub. Wahrscheinlich ist der schönste Strand, den wir sahen, derjenige auf der Halbinsel Karikari – unweit von Cable Bay, wo wir eine weitere Woche verbrachten.

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Die Zeit in Cable Bay war magisch – anders kann ich es gar nicht beschreiben. Wir hatten das beste Wetter, eine grandiose Airbnb-Unterkunft und die wohl unglaublichsten Airbnb-Gastgeber überhaupt. Obwohl wir nur eine Woche da waren, fühlt es sich so an, als würden wir Teresa, Peter und Taylah schon eine Ewigkeit kennen und gleichzeitig kommt es uns so vor, als wären wir nur einen kurzen Wimpernschlag da gewesen. Es war eine ganz unglaubliche Zeit, die wir dort hatten. Und dies liegt bestimmt auch daran, dass wir in ihren Maori-Stamm aufgenommen wurden (s. Blogbeitrag „Maori-Kultur mal anders“). Unglaublich war die Zeit in Cable Bay auch deswegen, weil wir mit Peters Truck zum Cape Reinga und zur Ninety Mile Beach fahren durften. Endlich fuhren wir also das Auto, das wir uns für Neuseeland gewünscht hatten! Und nicht nur das, wir fuhren das Werbeauto für den „Ninety Mile Beach Run“, der von Peter ins Leben gerufen wurde und jährlich zahlreiche Laufwillige in den Norden Neuseelands lockt. Nicht selten wurden wir während unserer Fahrt mit dem Truck auf eben dieses Rennen angesprochen.

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Der nördlichste Zipfel der Nordinsel, an dem die Tasmansee den Pazifik trifft, heißt Cape Reinga. Im Maori-Glauben pilgern die Seelen der Toten den langen Weg entlang der Ninety Mile Beach und verlassen hier Neuseeland, um in ihre alte Heimat in der Südsee zurückzukehren.

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Heutzutage ist das Touristenhighlight weniger das hübsche Kap mit seinem einsamen Leuchtturm, sondern vielmehr die hohen Sanddünen unweit des Kaps in Te Paki. Auf einmal steht man in einer Sandwüste und ist umgeben von meterhohen Dünen – und wagemutigen Surfern. Mit einem Sandboard unter dem Bauch – die Dünen sind zu steil, um das Board unter die Füße zu legen – flitzen sie die Dünen herunter. Und auch wir wagen es. Abwechselnd natürlich, denn Valerie muss unten bleiben. Jeder, der schon einmal versucht hat, eine Sanddüne hoch zu gehen, weiß wie anstrengend es ist. Kaum hat man drei Schritte erklommen, rutscht man gleich darauf wieder zwei Schritte ab. Irgendwann hat es aber jeder von uns geschafft – mal schneller mal langsamer – oben anzukommen. Die Sandwand vor sich, muss man dann nur noch das Board hinlegen und sich bäuchlings hinabstürzen. In Sekundenschnelle ist man wieder unten. Mir persönlich hat ein Sandritt gereicht. Andere waren da deutlich ausdauernder und haben den steilen Aufstieg immer wieder bestritten.

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Das eigentliche Highlight war für uns aber die anschließende Fahrt auf dem Ninety Mile Beach. Durch ein Flussbett gelangt man an den schier endlosen Ninety Mile Beach – der in Wahrheit nicht ganze neunzig Meilen lang ist aber nichtsdestotrotz unglaublich lang und vor allem fast menschenleer. Mit unserem Grey hätten wir den Ausflug nicht machen können und so freute sich unser Rennfahrer über diese einzigartige Möglichkeit, durch ein Flussbett zu pesen, Wasser und Sand aufzuwirbeln und den Ninety Mile Beach entlang zu rasen.

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Die letzten Tage im Norden verbrachten wir in Waima, in der Nähe des Waipoua Waldes. In diesem Schutzgebiet wachsen drei Viertel der erhalten gebliebenen Kauribäume. Diese mächtigen Bäume mit einem Stammdurchmesser von bis zu vier Metern und 30 bis 50 Meter Wuchshöhe sind die letzten ihrer Art. Mit der Besiedlung Neuseelands durch die Briten wurden diese Bäume, die damals einen Durchmesser von bis zu acht Metern erreichten, fast bis zu ihrer völligen Ausrottung gerodet. Heute stehen sie unter Naturschutz. Aufgrund ihrer empfindlichen, an der Bodenoberfläche liegenden Wurzeln, wurden erhöhte Holzwege errichtet. Zudem befinden sich Schuh-Waschanlagen vor dem Waldzugang, um die Wurzeln vor fremden oder schädlichen Stoffen zu schützen.

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Und so neigen sich drei Monate Neuseeland langsam dem Ende zu. Aber vorher wartet noch ein letzter Strandurlaub auf uns: Die Halbinsel Coromandel.

Von Kühen, Schwefelblasen und Fantasieorten

In Oropi – im Osten von Neuseelands Nordinsel – haben wir uns eine Woche Entspannung gegönnt. Diese war nach der langen Fahrt auch mehr als nötig. Wir haben fast die halbe Nordinsel an einem Tag durchquert: Vom Süden aus Wellington, wo wir mit der Fähre angekommen sind, fuhren wir bis zur Mitte der Nordinsel in die Region um Rotorua. Entsprechend erschöpft und froh waren wir, als wir am Abend endlich in unserer kleinen Airbnb-Unterkunft im ländlichen Oropi ankamen.

Zugegeben, die Kriterien für die Wahl dieser Unterkunft waren diesmal weder Heizdecken, Größe des Apartments, Badewanne, eigene Küche oder separates Zimmer für Valerie – in der träumerischen Hoffnung, dass sie die Nacht in ihrem Zimmer oder Bett verbringen würde – nein, das alles waren diesmal nicht die Kriterien. Und nichts davon traf auch für unsere Unterkunft in Oropi zu. Aber als in der Airbnb-Anzeige stand, dass selbstgebackene Kekse die Gäste erwarten und man Kälber streicheln und füttern darf, wusste ich, das wird unsere nächste Unterkunft.

Und in der Tat war es die beste Entscheidung: Margaret und Rob haben uns den Aufenthalt nicht nur mit selbstgebackenen Keksen oder der abendlichen Hausmannskost versüßt, sondern auch mit ihrer offenen und herzlichen Gastfreundschaft. Seit zwei Jahren gehört ihnen der Hof und beim Kauf wussten sie gar nicht, dass auf ihrer Wiese Apfelbäume blühten. So verwahrlost, umzingelt von wuchernden Sträuchern, kauften sie das Land einer Gang ab, die zahlungsunfähig war und den Hof räumen musste. Margaret und Rob haben sich davon nicht einschüchtern lassen; weder von der Gang noch von der Natur. Jetzt erstrahlen Haupthaus, Ferienwohnung und Felder in neuem Glanz. Ein Gewächshaus haben sie zusätzlich gebaut, die vorhandenen Obstbäume gerettet und Zäune für die Kälber errichtet. Und die Kälber waren ein totaler Hit. Wobei ich nicht weiß, wer sich mehr gefreut hat; die Kühe oder Valerie.


Als sie uns mit dem Eimer voller Äpfel gesehen haben, sind sie direkt auf uns zugerannt. Valerie quietschte vor Vergnügen und zappelte ganz aufgeregt. Die Kälber waren auch super neugierig und schnüffelten vor allem an Valerie. Vielleicht, weil sie einen so kleinen Menschen noch nie zuvor gesehen haben oder weil sie an der Kleinen Frühstücksreste rochen. Als Valerie niesen musste, sind die Kälber ganz überrascht zusammengezuckt und weggelaufen – um kurz darauf wieder zu uns zurückzukommen. Ein totaler Spaß für uns Stadtmenschen. Und überhaupt war es herrlich von soviel Natur umgeben zu sein. Valeries Mittagsschlaf unter einem der Apfelbäume war der längste, den sie seit langer Zeit hatte. Als Baby hat sie auch gerne im Kinderwagen unter Bäumen geschlafen und sich von dem Rauschen der Blätter und dem Lichtspiel der Sonne in den Schlaf tragen lassen. Manchmal reicht auch einfach ein Apfelbaum, um wieder zu wissen, welches Glück wir haben, dies alles genießen zu dürfen.

Und genießen ist auch das richtige Stichwort. Wir haben uns sehr auf unseren Urlaub in Oropi gefreut, weil wir damit unweit von Rotorua und Hamilton waren.

Rotorua ist aufgrund der zahlreichen Schwefelquellen berühmt. Bereits von Weitem weiß man, dass man bald in Rotorua ankommt. Die Dampfwolken kündigen die heißen Quellen an und auch geruchlich weiß man sofort, dass man gleich da ist. Die Stadt hat so viele Schwefelquellen, dass man diese nicht selten sogar im Garten von Privathäusern sehen kann oder die Dampfwolke aus Straßenrinnen erblickt.

Die wohl berühmteste Attraktion ist Wai-O-Tapu, auch „thermales Wunderland“ genannt. Über einen 3 km langen Spaziergang erstrecken sich 25 unterschiedliche Natur-Highlights: Krater mit unterschiedlichsten Wasserfarben, Wasserfälle, Geysirs, Schwefelquellen und natürlich das Highlight überhaupt: Der Champagner Pool. Dieser ist der größte Pool auf dem Gelände mit einer Länge von 65 Metern und einer Tiefe von 62 Metern. Die Temperatur an der Oberfläche beträgt 74 Grad Celsius und oft sieht man blubbernde Kohlendioxid-Gasblasen. Aufgrund der unterschiedlichen Mineralstoffe (Schwefel, Quarz, Eisenoxide, Kohlenstoffe) glitzert das Wasser mal grün, orange, lila, braun oder gelb – ein wahres Naturschauspiel.


Das Wunderland in der Nähe von Hamilton wiederum ist kein natürliches, sondern ein von Menschenhand errichtetes. Und was für eins!


Hobbiton, das Dorf der Hobbits, wurde zur Freude aller Fans von Herr der Ringe und der Hobbit Filme auch nach Dreh-Ende als Touristenattraktion stehen gelassen und kann besucht werden. Gut, da wir nicht die größten Fans sind, wussten wir lange nicht, ob wir das Filmset wirklich besuchen wollten, letztlich sind wir aber sehr froh, dass wir es gemacht haben! Im 15-Minuten Takt werden die Touristengruppen mit Bussen abgeholt und an den Drehort gefahren. Damit jeder die Möglichkeit erhält, Hobbiton „gefühlt“ menschenleer zu erleben oder zumindest auf diese Art zu fotografieren, gibt es ein eng getaktetes Programm und entsprechende Zeitfenster. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen! Sobald man den Bus verlässt und Hobbiton betritt, hat man sofort das Gefühl, in einem anderen Land zu sein.

Mit unglaublich viel Liebe für jedes Detail wurde ein riesiges Dorf errichtet – mit den typischen Hobbit-Häusern, Brücken, Gasthäusern und sogar Wassermühlen. Überall hängen Wäscheleinen mit kleiner Hobbit-Wäsche und vor jedem Hobbit-Haus ist individuell etwas charakteristisches für den jeweiligen Bewohner aufgestellt: Blumenbeete, Kürbisse, Käseplatten oder eben ein Schachbrett – an dem Bilbo und Gandalf spielten. Die Zäune wurden, damit das Holz möglichst alt aussieht, mit einer eigens zusammengestellten Paste u.a. aus Joghurt bestrichen. Und die berühmte Eiche hinter Bilbos Haus ist ebenfalls künstlich errichtet worden. Alles andere, was man von der Natur sieht, ist aber echt: Die buckeligen Hügel, das saftgrüne Gras, der See oder der Fluss über den man zum Gasthaus kommt. Auch wenn wir keine riesen Fans der Filme sind, ist Hobbiton ein traumhafter Fantasieort, der uns direkt Lust gemacht hat, nochmal alle Filme, die hier gedreht wurden, zu schauen.

Mit diesen Eindrücken verließen wir Mitte November den Osten, um in den hohen Norden Neuseelands zu fahren – zur Abwechslung hatten wir diesmal die Sonne mit im Gepäck.

Auf Wiedersehen Südinsel – Willkommen Nordinsel 

Vom Lake Tekapo ging es an die Ostküste der Südinsel und anschließend über Picton via Fähre zur Nordinsel.

Mitten im Nirgendwo am Mount Lyford lag unsere neue Unterkunft in der Nähe der Ostküste. Nach der langen Zeit am Tekapo war es fast ungewohnt, wieder in den Bergen zu sein – zumal die Bergspitzen schneeweiß waren. Gut, dass wir einen Kamin und Heizdecken hatten. Kannte ich vor unserem Neuseeland-Abenteuer Heizdecken nur vom Hörensagen und als Klischee-Verkaufsschlager bei irgendwelchen Kaffeefahrten für ältere Herrschaften, mutierten sie nun zu einem unabdingbaren Kriterium, wenn wir auf der Suche nach neuen Unterkünften waren. Die Häuser in Neuseeland sind – trotz der kalten Temperaturen – nicht besonders gut isoliert. Dies mag zwar den Vorteil einer natürlichen Belüftung haben, aber es ist einfach echt kalt, gerade nachts. Dann ist so eine Heizdecke, die das Bett vorher aufgewärmt hat, ein wahrer Schatz.


Zusätzlich hatte unsere Unterkunft in Lyford eine beheizbare Außen-Wasser-Tonne – eine Art Außen-Pool. Die Holztonne wurde mit eiskaltem Bergwasser gefüllt und anschließend mit Hilfe eines Holzfeuers erwärmt. Wenn man in die Tonne sprang ohne das Wasser vorher umzurühren, war man oben Lobster und unten Eisbär. In jedem Fall hatten wir – insbesondere Valerie – ein großes Planschvergnügen.

Planschvergnügen ist auch das richtige Stichwort für diese Region. Sei es im Spa mit heißem Wasser aus natürlichen Quellen in Hanmer Springs, ein Delphinen-Abenteuer in Kaikoura oder kugelige Steine in Moeraki.


Wobei das Delphin-Abenteuer nur meinem Mann gegönnt war. Leider durften keine Babys mitkommen, obwohl es ein recht geräumiges Boot war, so mdass wir zwei Mädels den – sehr frühen Tag – allein am Strand verbrachten. Gegen 8.00 Uhr morgens waren wir am Treffpunkt und spätestens da war ich ganz dankbar im Norden und nicht auf der Südinsel mit Delphinen zu schwimmen. Die Schwimmer wurden wärmer angezogen, als ich es je beim Tauchen war: Dicker Neoprenanzug mit Langarm-Weste, Kopfbedeckung und Neoprenhandschuhe. Und dies alles trotz warmen Sonnenscheins.

Während Valerie und ich also gemütlich am Strand spielten und die Sonne genossen, war Papa im Dienste der Kamera unterwegs. Die Schwimmer wurden dazu angehalten, sich für die Delphine interessant zu machen und mit ihnen zu tauchen, schwimmen und sie durch Geräusche anzulocken – weswegen auf einigen Videos die summenden Hits von Michael Jackson & Co der anderen Mitschwimmer zu hören sind. In jedem Fall haben diese Tipps Früchte getragen, denn Marcel ist – der Kälte trotzend – über eine Stunde mit den spielfreudigen Meeressäugern geschwommen.


Nach diesen Planschabenteuern ging es von Picton mit der Fähre zurück auf die Nordinsel. Unsere grünen Jucy-Kollegen waren auch wieder dabei. So reihten wir uns in die Warteschlange und sagten der sonnigen Südinsel auf Wiedersehen.

Einige Stunden später kamen wir auf der Nordinsel an. Und unser alter Bekannter wartete bereits geduldig auf uns: Der Regen.

Willkommen Nordinsel.
Nachtrag: In der Nacht vom 13. zum 14.11. erschütterte ein schweres Erdbeben die Region um Kaikoura. Unsere Gedanken sind mit den Menschen vor Ort und ihren Familien.

Lake Tekapo – Messe mit Blick

Das Blatt

Ein kleiner Junge entdeckte zu Hause die Hausbibel. Er hob das schwere Buch neugierig auf und blätterte darin. Plötzlich fiel ein altes, vertrocknetes Laubblatt heraus. Mit großen Augen rannte er zu seiner Mutter. „Mami, Mami, ich glaube, ich habe gerade Adams Unterhose gefunden.“



So begann am Sonntag der Gottesdienst in der berühmten Kirche des guten Hirten (Church of the Good Shepherd). Und diese heitere, unbekümmerte und nahbare Atmosphäre, die bereits durch diese kleine Eingangsgeschichte erreicht wurde, hielt die ganze Messe. Sowohl der Priester als auch der Messdiener, der eben diese Geschichte erzählt hatte, schafften es, Religion gekonnt mit Historie, Charme, Humor und Aktualität zu verbinden. 
Und doch ist es – ich möchte fast sagen leider – nicht der großartige Gottesdienst, der Scharen von Touristen in diese kleine Steinkirche lockt. Während der Messe war die Kirche zwar gut besucht aber bei weitem nicht so voll wie so ziemlich zu jeder anderen Tages- und Nachtzeit. 
Gelegen auf einer kleinen, einsamen Anhöhe, überblickt die Kirche den ganzen See Tekapo. Von allen Seiten bietet die kleine Steinkirche damit ein wunderbares Fotomotiv. Der farbliche Kontrast zwischen den grau-braunen Steinen der Kirche und dem milchig je nach Sonneneinstrahlung wechselndem Smaragdgrün-Türkisblau des Sees Tekapo lässt das Herz jedes Fotografen höher schlagen.


Gesteigert wird dieser Anblick im Oktober/November mit dem Erblühen der Lupinen, welche eine wahre Farbexplosion kreieren. Blaue, rosane, weiße, lilane und pinke Farbklekse zieren dann zusätzlich die ohnehin schon bunte Landschaft.
Und als wäre das nicht genug, bietet die Steinkirche selbst den wohl besten Kirchen-Ausblick weltweit. Eine riesige Fensterfront ziert die Rückseite des Gotteshauses und macht den Blick frei auf die äußere Naturidylle.
Und auch nachts pilgern Heerscharen von Touristen, ausgestattet mit ihren Kameras, Stativen und großen Objektiven, zur Kirche. Die Mackenzie-Region, insbesondere die Landschaft um den See Tekapo, ist weltweit eine der beliebtesten Gegenden zur Sternenbeobachtung. 


Fast zwei Wochen Ruhe haben wir uns hier am smaragdgrünen See gegönnt bevor es Anfang November zur Ostküste der Südinsel ging.

Von Seelöwen, Gletschern und Fjorden – die Westküste der Südinsel entlang 

Mit der Überfahrt von Wellington nach Picton auf die neuseeländische Südinsel besserte sich das Wetter tatsächlich. Zwar nicht unmittelbar aber doch merklich. Schlagartig schien sich hingegen die Zahl unserer Jucy-Kollegen zu verdoppeln. 


Und die Anzahl Touristen stieg ebenfalls erheblich. Allerdings trifft auch auf die Südinsel zu, was bereits für die Nordinsel gilt: Neuseeland ist ein so großes und dünn besiedeltes Land, dass sich die Menschen – inklusive der Touristen – auf wundersame Art verteilen, sodass eigentlich nur unberührte Natur bleibt, soweit das Auge reicht. Von Schafen abgesehen. Die wiederum findet man überall, dicht gefolgt von Kühen und Alpakas – ja tatsächlich Alpakas, die angeblich nicht nur aufgrund ihrer Wolle hier so beliebt sind, sondern als Schafhüter eingesetzt werden. Mehrheitlich sind es aber die weißen Schafswollknäule, welche die Landschaft dominieren. Vor allem Neugeborene sehen wir sehr häufig – was an der aktuellen Jahreszeit und natürlich unserem momentanen Wahrnehmungsfilter liegt.


Unser erster Halt auf der Südinsel galt dem Abel Tasman Nationalpark. Mit der Überfahrt von Wellington nach Picton und der Weiterfahrt bis Takaka durch enge, steile und vor allem sehr kurvige Berghänge, war die Autostrecke eine unserer bisher längsten Fahrten. Während ich mir bei unserem sicheren Rennfahrer die Einnahme der Seekrankheitstabletten wünschte, schien Valerie ziemlich unbeeindruckt zu sein. In gewohnt guter Reiselaune spielte, aß und schlief sie oder schaute aus dem Fenster. Nur die letzten Kilometer waren lautstark anstrengend – dies scheint allerdings immer der Fall zu sein, egal wie lange wir fahren. Selbst bei den kleinsten Fahrten zwischen zwei Aufenthaltsorten sind immer die letzen Kilometer die stimmintensivsten.
Entsprechend kaputt und müde kamen wir in unserer Airbnb-Unterkunft an und wollten alle nur noch schlafen. Oder zumindest fast alle. Valeries Schlafverhalten nachts hat nämlich nichts mit ihrem ansonsten ziemlich entspannten Wesen tagsüber gemein – aber das ist eine andere Geschichte.

Und dann hatten wir ihn. Den schönsten Tag in Neuseeland. Zumindest bis dahin. Es fing schon damit an, dass die Sonne schien. Und sie schien sogar noch, als wir unsere ausgiebige Frühstückszeremonie – begleitet von Kommissar Eberhofer – beendet hatten. Den ganzen restlichen Tag verbrachten wir daher draußen am Whariki Beach.

Unverbauter, unberührter, kilometerlanger Sandstrand, den man nach einem ca. 20-30 minütigen Spaziergang vom Parkplatz aus erreicht, und dazu Sonne – unvorstellbar schön. Gut, auf der Südinsel ist es ziemlich kalt, im Frühjahr allemal, entsprechend kam keiner von uns auf die Idee zu baden; aber ansonsten: einfach traumhaft!

Auch Valerie hatte sichtlich Spaß und raste quietschvergnügt krabbelnd durch den Sand, lieferte sich ein Rennen mit zwei Wasservögeln und tollte in unmittelbarer Nähe eines Seelöwens.


Es war wirklich unglaublich, wie dicht wir an den Seelöwen kommen konnten. Dieser schien die Aufmerksamkeit fast zu genießen und sonnte sich förmlich in dem Fotohagel – immer neue Posen ausprobierend. 

Den Sonnenuntergang am Strand ließen wir uns natürlich nicht nehmen. Und auch wenn die Sonne letztlich nicht im Meer versank, war es doch ein farbenfroh romantischer Anblick.

Wie gesagt, das Wetter wurde nicht unmittelbar aber dennoch merklich besser. Nach diesem wunderbar sonnigen Tag folgten ein paar Regentage. So setzten wir unsere Fahrt Richtung Süden bis zum Fjordland Neuseelands bald fort.
Fast drei Wochen verbrachten wir an der Westküste und besuchten Städte mit melodisch klingenden Maori-Namen wie Hokitika, Karamea, Punakaiki bis wir schließlich mit Te Anau im südlichsten Zipfel und dem Tor zum Fjordland ankamen. 

Das Schöne an einem Roadtrip ist, dass man die wechselnde Vegetation wie auf einer beweglichen Leinwand vorbei passieren sieht. Die flachen, grünen Mittelerde-Hügeln wichen kahlen, steilen Gebirgsketten, die mit einer dünnen, fast puderzuckerartigen, Schneedecke behangen waren, dort wo ihre Gipfel den Horizont berührten. Und wenn dann noch ein gigantischer See diese Berglandschaft durchbricht – wie z.B. in der Region um Queenstown – und die Sonne für farbenfrohe Glitzerspiele sorgt, die der Wind aufnimmt und weiße Wellenkrönchen erschafft – ja, dann kann man auch gar nicht anders, als dieses Naturschauspiel in sich aufzusaugen und einfach innezuhalten. Und wenn wir nicht gerade zu Fuß mit Valerie in der Kraxe waren, sondern im Auto saßen, dann mussten wir einfach mal aussteigen und die Landschaft genießen. Auch wenn das heißt, dass die kleine, bis dahin schlafende Valerie wach wird und das lautstark kundtut. Nach kurzer Orientierung plaudert der Zwerg dann jedoch stets munter und beherzt drauf los – Naturidylle dann eben mal anders und auch wunderschön. 

Wenn zusätzlich zu einem funkelnden See und einer atemberaubenden Bergkulisse auch noch ein Baum, der dem See zu entspringen scheint, hinzukommt, dann muss man in Wanaka sein. Der „Wanaka Tree“ hat nicht nur eine eigene Markierung bei Google, nein, er hat auch ein eigenes Instagram-Profil. Und weil er so berühmt ist, verwundert es dann auch nicht mehr, dass man fast eine Nummer ziehen muss, um sich in die Schlange der – vornehmlich asiatischen – Canon- oder Nikon-Halter einzureihen, um ebenfalls ein Foto zu schießen.

Im Fjordland schließlich haben wir verstanden, warum die Neuseeländer ihren jährlichen Niederschlag in Metern angeben. Erst wenn es nämlich ein paar Tage hintereinander geregnet hat, zieren hunderte größere und kleinere Wasserfälle die Gebirge im Fjordland. So gesehen hatten wir sehr großes Glück als wir im Milford Sound ankamen, denn wir konnten sie alle sehen. Und nicht nur das. Aufgewühlt durch das frische Wasser erstrahlte der Fjord selbst in einem ungewöhnlich strahlenden Smaragdgrün. 

Und damit endet unsere südlich gerichtete Tour und wir fahren nun (19.10.) Richtung Norden, diesmal zunächst ab durch die Mitte und dann an der Ostküste entlang. Mal schauen, welche landschaftlichen Spektakel uns hier erwarten.

Hinter sieben Hügeln – Die Westküste der neuseeländischen Nordinsel entlang 

Eine der größten Gemeinsamkeiten zwischen Holländern und Neuseeländern ist wohl ihre Liebe zu Campervans – wobei wohl meistens gar nicht die Neuseeländer selbst sondern vor allem Touristen diese fahren. Neben den zahlreichen Schafen dominieren diese Roadtrip-Gefährten unseren Landschaftsblick. Der am häufigsten auftauchende Anbieter heißt übrigens „Jucy“ und hat seine Autoflotte in Grün und Lila gestrichen. Eine echte Augenweide. Und trotzdem, obwohl Neuseeland ein beliebtes Reiseziel ist und sich sehr viele Touristen für eben solche fahrbaren Wohnungen entscheiden, bleibt genug Natur und Freiraum für den Einzelnen. Über lange Strecken unseres Roadtrips sehen wir nämlich niemanden und sind die Einzigen auf der Straße. Es ist, als ob uns die Natur verschlingen und uns ganz einnehmen würde. Kleine Hügelchen reihen sich derart verschlungen aneinander, dass sie diese fast märchenhafte Mittelerde-Idylle versprühen, sodass man jederzeit Hobbits hinter einem dieser Hügel vermuten könnte. Allerdings ziemlich wetterfeste Hobbits. 


Neuseeland begrüßte uns nämlich nach unserem Südseeaufenthalt in Tonga mit Dauerregen und kalten Temperaturen. Und da half auch kein noch so freundlicher Neuseeländer mit einem beteuernden: „So ein regnerisches Winterende hat es noch nie gegeben“. Und auch die Einstellung: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, konnte nur minimal davon ablenken, dass wir im grauen, kalten Neuseeland saßen, während in Deutschland ein – ebenfalls noch nie da gewesener – heißer Spätsommer einsetzte.


Gegen diesen Winterblues halfen nur literweise heiße Schokolade – die wird hier übrigens von Marshmallows begleitet, was die Stimmung gleich nochmal hebt – und die Entscheidung, die Nordinsel zügiger gegen die Südinsel einzutauschen, um im November – und somit im Sommer – wiederzukommen. Geholfen hat auch unser ständiger Ohrbegleiter: Oberkommissar Eberhofer. Eine sehr feine Krimiserie von Rita Falk, gelesen von Christian Tramitz, im feinsten bayrischen Duktus. Spielt es doch hauptsächlich im schönen Niederkaltenkirchen, ab und zu in Landshut und natürlich auch in München.

Von Auckland ging es somit nach Wellington – über Waitomo, Marokopa und New Plymouth. Valerie findet Autofahren zum Glück klasse, sodass auch längere Strecken kein Problem sind. 
Ihr Highlight in Auckland war sicherlich die Art Gallery, die einen eigenen Kinderbereich hat. Auf unterschiedlichstem Untergrund konnte sie krabbeln und mit bunten Schaumrohren spielen. Wobei sie die Tonleiter-Treppe am Aotea Square, die unterschiedliche Töne beim Erklimmen erklingen lässt, ebenfalls spannend fand.


Das eigentliche Touristenhighlight in Waitomo – die Glühwürmchenhöhlen – hingegen hat sie verschlafen, weil es in dem Tragetuch so schön kuschelig und in der Höhle, trotz tausender sich an Helligkeit übertreffender Glühwürmchen, muckelig dunkel war. Valeries Highlight in Waitomo war das wenige Wochen alte schwarze Schaf Noah, welches uns Biddy, die Eigentümerin unserer Unterkunft „Rock Retreat“, an einer Leine zum Streicheln vorbeibrachte. 


Den Wasserfall und den Tunnel zum Meer beim Ausflug um Marokopa verschlief sie ebenfalls, den schwarzen Sandstrand des Dörfchens hingegen fand sie großartig, weil er so schön in der Hand funkelte und anscheinend auch kulinarisch ein Genuss war. In New Plymouth hat uns der Regen wieder völlig eingenommen, sodass wahrscheinlich die heiße Dusche der Kleinen – und nicht nur ihr – gefallen hat. Zudem hatte Valerie – im Gegensatz zu uns – im Nu raus, wie die Spülmaschine anging und sichtlich großen Spaß an den bunten Knöpfen und lustigen Geräuschen. Schließlich war dies ihre erste Spülmaschine seit Berlin und somit Lichtjahre her.


In Wellington schließlich war das Highlight der Kleinen bestimmt die liebevoll eingerichtete Airbnb-Wohnung, die ganz viele Spielsachen für Valerie bereithielt. Unseres war ganz klar das Museum Te Papa und hierbei vor allem die berührende Ausstellung zum ersten Weltkrieg und die Schlacht um Gallipoli. Fast filmstudioreif wurde die Entsendung von Soldaten aus Australien und Neuseeland aufbereitet sowie das Kriegsleben dokumentarisch erzählt. Überlebensgroße Figuren, gestaltet von den gleichen Kreativen, die auch für Filme wie „Herr der Ringe“ und „King Kong“ tätig waren, stellten in abgedunkelten Räumen Schlüsselerlebnisse des Krieges dar. Bis ins kleinste Detail (Gesichtsfalten, Schweißtropfen, kleinste Härchen) war alles sichtbar. In anderen Räumen wurden mithilfe modernster Technik die Auswirkungen unterschiedlichster Waffen auf den Körper gezeigt. Und an vielen Stellen wurden auch die Besucher aufgefordert, tätig zu werden, z.B. selbst einen letzten Abschiedsbrief zu schreiben, wenn sie in einer solchen Lage wären. Nach ca. der Hälfte der Ausstellung musste ich mit einem dicken Kloß im Hals an die frische Luft gehen und einfach nur froh und dankbar sein über unser Glück. Ja, so ein emotionales Museum wäre in Deutschland sicherlich auch nicht schlecht – zum Beispiel in Dresden. 

Nach ein paar erholsamen und zwischenzeitlich sogar sonnigen Tagen in Wellington, hieß es am 29. September früh aufstehen. Gemeinsam mit unseren grün-lila Jucy-Kollegen reihten wir uns in die Fähren-Schlange ein und waren sehr froh, im Gegensatz zu den Jucys nur einen Bruchteil für die Überquerung zu zahlen. Ja, unser Grey ist halt doch die bessere Entscheidung.
Und so heißt es nun: Auf Wiedersehen Nordinsel und willkommen Südinsel.


PS: Schafe gibt es hier ganz offensichtlich tatsächlich. Schaf ey!

Der Roadtrip kann beginnen

Unendliche Freiheit, wohin das Auge blickt unbekannte Wege und eine einladende, sonnige Landschaft, die nur darauf wartet, erforscht zu werden. Dafür passend ist das Auto ausgestattet: Ein Allround-Talent, dass sowohl für Gepäck als auch für Kindersitz und Schlafmöglichkeiten geräumigen Platz bietet; eine Mischung aus SUV, Geländewagen und Pickup, sodass Fahrten durch freies Gelände sowie steile Berghänge ein Klacks sind; der Verbrauch wie bei einem Kleinwagen und schließlich die Farbe: Feuerrot.

So stellten wir uns den Roadtrip und vor allem unser Auto vor.

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Mit Wehmut mussten wir uns aber nach und nach von all unseren Vorstellungen trennen. Das Auto unserer Wahl ist die rational richtige Entscheidung. Das müssen wir uns immer wieder sagen. Für das, was wir vorhaben, ist es perfekt. Vor allem ist es günstig, super in Schuss und sehr sparsam im Verbrauch. Aber es ist und bleibt das genaue Gegenteil unserer Wunschvorstellung: Es ist ein Nissan Wingroad – und damit ein Auto, das in Deutschland nicht nur völlig unbekannt ist, sondern zudem völlig unsexy, da es eher Familienkarosse als schnittiger Geländewagen ist. Wilde Fahrten auf unerschlossenen Wegen sollten wir daher meiden, auch weil das Auto sehr tief liegt und wir bei jeder Art von Bodenwelle bereits sehr vorsichtig sein müssen. Platz bietet es zwar für unser Gepäck und den Kindersitz, zum Schlafen ist es aber zu klein – zumal sich die Frage stellt, wo dann unser Gepäck hin sollte. Und zu allem Übel ist es auch noch grau – nicht silber, was eigentlich auch nur semantisch einen Unterschied machen würde. Aber es ist und bleibt die rational und ökonomisch betrachtet richtige Entscheidung.
Aus neuseeländischer Sicht ist es sogar ein Neuwagen, da es ein frischer Import aus Japan ist. In Neuseeland werden keine Autos selbst produziert, sondern – vornehmlich aus Japan – importiert. Diese Autos haben meistens bereits ca. 100.000 km auf dem Buckel und müssen eine strenge Import-Qualitätskontrolle bestehen, bevor sie in Neuseeland verkauft werden dürfen.

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Der größte Anbieter für Gebrauchtwagen ist yescars. Auch unser Auto haben wir dort gekauft. Die Verkäufer sind – so wie einfach alle Menschen, denen wir bisher in Neuseeland begegnet sind – unglaublich freundlich und hilfsbereit! Anstelle uns eines der teuren Modelle zu verkaufen, die wir uns angeschaut haben, hörten sie sich an, was wir vorhaben und kamen dann mit unserem „Grey“. Sie unterstützten uns zudem bei der Registrierung des Autos, die bei einem internationalen Führerschein persönlich im Registrierungsamt erfolgen muss, erledigten den notwendigen Bürokram (u.a. Straßenservicegebühr) und organisierten einen Kindersitz für Valerie – alles ohne jegliche Zusatzkosten versteht sich.
Von einem weiteren hilfsbereiten Neuseeländer, den wir am Flughafen in Tonga kennen gelernt haben, erhielten wir eine komplett ausgestattete Campingausrüstung – inkl. 4-Personen-Zelt, Liegen (denn wer schläft schon gerne auf Isomatten), Schlafsäcken und sogar einen Campinggrill, den wir allerdings aus Platzgründen leider da lassen mussten.
Mit unserem ganzen Gepäck im Wingroad wirkt der „Grey“ auf einmal nicht mehr ganz so geräumig – gut, dass er einen Lastengang für die vielen Hügel in Neuseeland hat. Und dann kann es auch schon losgehen!
Eine ganz genaue Route haben wir nicht. Entlang der Westküste wollen wir bis Wellington fahren, um dann mit der Fähre auf die Südinsel zu gelangen. Dort soll es ebenfalls entlang der Westküste bis zum Fjordland gehen und anschließend an der Ostküste zurück nach Wellington und danach ebenfalls entlang der Ostküste in den Norden der Nordinsel von Neuseeland.
Drei Monate Roadtrip durch Neuseeland wir kommen!

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